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Olli Jalonen
Die Himmelskugel
Roman
Aus dem Finnischen von Stefan Moster

Dem achtjährigen Angus ist die Himmelskugel so vertraut wie die Insel, auf der er aufgewachsen ist: St. Helena im Südatlantik, Kolonie des seit 1660 wieder von einem Monarchen regierten England. Jede Nacht verbringt der Junge, nachdem er von dem Londoner Sternenforscher Edmond Halley zu einem Aufzeichner ausgebildet worden ist, einige Stunden in einem präparierten Araukarienbaum und markiert die Positionen der Sterne. Er lernt, genau hinzuschauen, wahrzunehmen, neu Entdecktes zu beobachten und vorsichtig seine Schlüsse aus dem Beobachteten zu ziehen.

Angus von der Totholzeben, so nennt sich der Junge selbst. Seine Verwandtschaftsangelegenheiten findet er komplizierter als die genaue Beobachtung der Sternpositionen: Als Halbwaise lebt er mit Mutter und Schwester und deren beiden fast gleichaltrigen Söhnen, von denen der eine sein Bruder und der andere sein Neffe ist, auf der Hochebene, bis der Pastor die Familie zu sich ins Kapellental nimmt, um die beiden Frauen und ihre Kinder vor den Schmähungen der Inselbewohner zu schützen.
Pastor Burch bringt dem Jungen das Lesen, Schreiben und Rechnen bei, denn in der neuen Zeit sind dies die Fähigkeiten, die ein Junge braucht. Der Pastor hat eine Chronologie von St. Helena verfasst, für die er mit dem Leben büßen müsste, würde sie entdeckt. Martin Burch steht dem neuen Gouverneur und seinem rigiden Katholizismus mehr als nur kritisch gegenüber. Als die Zustände auf St. Helena für Nichtkatholiken lebensbedrohlich werden, schmuggelt der Pastor Angus als blinden Passagier mit einem wichtigen Brief an Edmond Halley auf die Berkeley Castle, die im Jahr 1684 ihre letzte Reise nach London antritt.

Angus wird in den höchsten Mastkorb gesteckt und hätte die Reise sicher nicht überlebt, wäre er nach 11 Tagen nicht entdeckt worden. Doch was ihm dann auf dem Schiff blüht, das Sklaven bis Afrika und Passagiere bis England transportiert, ist für den Jungen mit Augen besser als jedes Fernrohr mehr als nur ein Abenteuer. Wird er London, den Geburtsort seines Vaters und die Heimat des Forschers, auf dessen Schultern er einst stehen will, jemals erreichen?
Jalonen lässt Leserinnen und Leser die Welt durch die Augen des heranwachsenden Jungen sehen und begreifen. Für seinen großartigen Roman über die Zeit von frühem Kolonialismus und Aufklärung erhielt Jalonen 2018 zum zweiten Mal den wichtigsten finnischen Literaturpreis: den Finlandia.

mare
Hardcover: 544 S., ca. € 26,-


DAS IST DRIN
ein Junge von St. Helena
erobert Welt und
Wissenschaft im 17. Jhdt.
authentisch, spannend:
eine Zeitreise
 
 
 

AUTOR/IN
Biographie