BUCH
Leseprobe

François Garde
Der gefangene König
Roman
Aus dem Französischen von Thomas Schultz

Sein Name ist in die Annalen der Geschichte eingegangen, auch wenn ihn zu seinen Lebzeiten kaum einer richtig ausgesprochen hat: Joachim Murat. Geboren 1767 in Frankreich im Département Oise als elftes Kind aus einfachen Verhältnissen, zieht der spätere König von Neapel kurz vor dem eigenen Tod Bilanz aus seinem ereignisreichen Leben. Mit Stolz, aber auch mit Demut stellt er fest, dass er bereits nach den ersten militärischen Erfolgen mehr war, als nur „ein Stein, den der Kaiser auf dem Spielbrett nach Belieben hin und her“ schob. Mit diesem biographischer Roman öffnet Garde nicht nur die Tapetentür zu den Gemächern des Mannes, der dem Zusammenschluss aller italienischen Fürstentümer zu einem Staat den Weg ebnete; an der Seites dieses mutigen und treuen Husaren des Kaisers erleben Leserinnen und Leser die Zeit der Napoleonischen Kriege aus nächster Nähe.

Für einen Empfang Bonapartes im August 1796 lässt sich der erfolgreiche junge General eine Galauniform schneidern. Doch als sie ihm von dem Lieferanten der Armee gebracht wird, verweigert er die Annahme vor seiner Truppe und fordert vorab die schon lange bestellte Kleidung für seine Soldaten, die nicht in Lumpen gehen sollen, wenn für ihn eine Jacke aus feinstem Tuch mit Epauletten aus nachtblauem Samt, verziert mit gold- und silberfabenen Kordeln geliefert wird. Bei jenem Empfang im Palazzo Serbelloni wird die jüngste Schwester Napoleons, die damals 15-jährige Caroline, ein Auge auf den großen 29-Jährigen mit den dunklen Locken werfen und ihre Pläne für die Zukunft machen. Keine vier Jahre später sind die beiden verheiratet.
Für Murat bedeutet diese Ehe die Aufnahme in die höchsten Kreise Europas, auch wenn sie ohne Gütergemeinschaft der Gatten und mit einer eher dürftigen Mitgift geschlossen wird. Er erweist sich der ihm erwiesenen Ehre würdig, indem er eine Schlacht nach der anderen für seinen Schwager gewinnt – ohne jemals eine Ausbildung an einer Militärakademie genossen zu haben.
Als Napoleons Stern zu sinken beginnt, paktiert Murat, inzwischen König von Neapel, mit Österreich. Doch auch diese Alliance wird seinen Fall nicht aufhalten. 1815 wagt er einen letzten Versuch, sein Königreich Neapel zu verteidigen und die Idee des vereinigten Italiens voranzutreiben. Nach dem Scheitern dieser Mission wird er in der Festung von Pizzo inhaftiert.

Dort, in der Todeszelle, durchmisst Murat mit den Schritten zwischen den massiven Mauern das eigene Leben, seinen kometenhaften Aufstieg, die Beziehung zu Caroline Bonaparte, die ihm vier Kinder schenkte und zur Liebe seines Lebens wurde, seinen bedingungslosen Einsatz für den Korsen und späteren französischen Kaiser, seine Zeit in Ägypten, in Russland, als Herzog von Kleve und Berg in Düsseldorf und schließlich als König von Neapel. Unglaublich, welch riesige Schlachtfelder, Wüstenlandschaften und prachtvolle Zeremonien in dieser kleinen Zelle Platz finden. Ein großartiger Lesegenuss!

C.H.Beck
336 S. geb., €23,-


DAS IST DRIN
vom Nichtsnutz
zum König von Neapel
eine Bilderbuchkarriere
unter Napoleon
grandios erzählt
 
 
 

AUTOR/IN
Biographie