Josef H. Reichholf
Das Leben der Eichhörnchen
Mit Illustrationen von Johann Brandtsetter

Sie sind possierliche Tiere, denen man beim Klettern und Springen gerne zuschaut. In der Stadt kann man sie in Parkanlangen aufrecht sitzend und die Schale einer Nuss zernagend beobachten. Der Evolutionsbiologe Reichholf nähert sich diesen Nagern von vielen Seiten, zeigt die Parallelen unseres menschlichen Lebens zu den »kleinen Kobolden« auf und nimmt mit den Verwandten des Eichhörnchens auch die Verwandlung ihrer Lebensräume durch den Menschen unter die Lupe.

In der Stadt sind die flinken Tiere mit dem buschigen Schwanz und den Hörnchen an den Ohren tatsächlich häufiger anzutreffen als auf dem Land. Das liegt unter anderem daran, dass Stadtbäume häufiger fruchten, aber auch daran, dass Eichhörnchen wie die Menschen Gemischtköstler sind, sich also nicht nur von Eicheln und Nüssen, sondern auch von Vogeleiern und Grünpflanzen ernähren. Da in unserer Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten die Monokulturen dominierten, war der Tisch in der Stadt durchaus abwechslungsreicher für die kleinen Nager gedeckt.
Bei ihren Verwandten, darunter Ratten, Biber, Hamster und Murmeltiere gibt es ebenso Erstaunliches zu beobachten: Wussten Sie, dass ein ausgewachsener Biber in der Regel schwerer ist als ein Reh? Oder warum die Biber Anfang des 20. Jahrhunderts vom Aussterben bedroht waren? Zum einen, weil sie ihres beschuppten Schwanzes wegen den Fischen zugeordnet und als päpstlich erlaubte Fastenspeise gejagt wurden; zum anderen, weil das Sekret ihrer Analdrüse – so genanntes Bibergeil – ein in Europa weit verbreitetes Potenzmittel war. Das Comeback der Biber in den letzten 50 Jahren ist eine der großen Erfolgsgeschichten des Artenschutzes.

Sogenannter Artenschutz und bewusstes Eingreifen in die regenerativen Abläufe der Natur durch gezielte Jagd kann aber auch verheerende Ungleichgewichte hervorrufen, die die Natur dann wieder selbstregulierend vor neue Aufgaben stellt. Reichholf enthält sich in seinen spannend zu lesenden naturkundlichen Erzählungen jeglicher Wertungen. Trotzdem können seine Aussagen eindeutig sein, zum Beispiel, wenn er erläutert, wie es zu einer Koexistenz der Grauhörnchen kanadischen Ursprungs und der heimischen Rothörnchen kommen konnte und dass die weit verbreitete Verdrängungstheorie letzterer durch die »fremden Eindringlinge« mehr auf nationalen Vorurteilen denn auf evolutionsbiologischen Tatsachen gründet. Das ist nur eine der vielen feinen Enthüllungen dieses Buches.

Hanser
Hardcover: 224 Seiten, durchgehend s/w-illustriert, ca. € 20,-


DAS IST DRIN
Wissenswertes über Eichhörnchen
und ihre Verwandten
mit persönlichen
Erlebnissen gewürzt
unterhaltsam,
packend, erhellend