Erwin Wagenhofer/Sabine Kriechbaum
But Beautiful
Nichts existiert unabhängig

Der Titel »But Beautiful« – ein Zitat aus einem Jazzklassiker von Jimmy Van Heusen und Jonny Burks aus dem Jahr 1947; der Untertitel »Nothing exists independently« – eine zentrale Aussage des Dalai Lama; der Autor – ein Filmemacher, bekannt für seine gesellschaftskritischen Themen: Diese außergewöhnliche Kombination hat mich neugierig gemacht. Was ist das für ein Buch?

»But Beautiful« erzählt von der Schönheit des Lebens und von einer Hand voll Menschen, die seit vielen Jahren den Mut aufbringen, ihr Leben an der Achtsamkeit und dem als gut und notwendig erkannten Miteinander auszurichten. »But Beautiful« ist gleichzeitig die Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Films von Wagenhofer. Mit beidem will er Mut machen, das in Angriff zu nehmen, was schon längst ansteht: umdenken, anders leben.

Barbara und Erich Graf haben sich die örtliche Ungebundenheit ihrer Berufe (Architektin und IT-Experte) zunutze gemacht und auf La Palma ein Ödland mit Permakultur zu neuem Leben erweckt. »Lebenszentriert« statt »geldorientiert« arbeiten ist die Devise ihres Alltags, »nähren, integrieren, das Schwache stützten, das Lebendige fördern und pflegen, ausgleichen« sind die Wertmaßstäbe ihres täglichen Handelns.
Frauen aus aller Welt – Europa und Amerika ausgenommen – werden im indischen Barefoot College in einem halben Jahr zu Solaringenieurinnen ausgebildet. Sie kehren in ihre Dörfer zurück und sind dort in der Lage, mit der Konstruktion von Solarküchen und Solarlaternen die Lebensqualität ihrer Mitmenschen enorm zu verbessern. Das Barefoot College steht für Idee des einfachen Lebens, für die Notwendigkeit der Veränderung von unten und für den Respekt, den jeder Mensch in gleichem Maße verdient.
Erwin Thoma baut Holzhäuser, in denen kein Cent für Heizung oder Kühlung ausgegeben werden muss. Der New Yorker Pianist Kenny Werner, die südamerikanische Sängerin Lucia Pulido, Mario Rom, der Trompeter aus der Steiermark: Sie alle wollen mit ihrer Idee von Musik etwas bewegen in dieser Welt. Das letzte Kapitel des Buches ist der Begegnung mit dem Dalai Lama und seiner Schwester Jetsun Pema gewidmet.

Erwin Wagenhofer erzählt sehr offen, wie die Idee zu diesem Film über das Schöne und Gute entstanden ist; woran manche Ideen und Verabredungen mit anderen interessanten Gesprächspartner*innen gescheitert sind; wie schwierig es war, über den Filmschnitt eine Struktur in die Präsentation all dieser von Grund auf erfreulichen Lebensentwürfe zu zaubern. Auch in der Entstehung des Films ist es also zu finden, das »Aber« vor dem »Schönen«. Übrigens: Falls Sie – wie ich – den Film in den Kinos verpasst haben, ab dem 20. März 2020 könnten Sie sich die DVD zum Buch gönnen.

Kunstmann
Hardcover: 224 Seiten, 128 Farbabbildungen, ca. € 25,-
DVD ca. ab 20. März 2020: ca.€ 17,99


DAS IST DRIN
Menschen,
die umdenken
und ihr Leben
neu ausrichten
wertvolle Begegnungen