Éric Vuillard
Die Tagesordnung
Aus dem Französischen von Nicola Denis

Für den 20. Februar 1933 wurden sie von Hitler zum Geheimtreffen in das Reichstagspräsidentenpalais einbestellt: Ernst Tengelmann, Friedrich Flick, Karl Buren, Gustav Krupp, Wilhelm von Opel und 17 andere – der gesamte deutsche Industrie- und Bankadel. Was Hitler von ihnen wollte? Ihr Geld für seinen Wahlkampf. Was er ihnen versprach? Den Erhalt ihres Thrones im eigenen Haus und die Abwehr der kommunistischen Bedrohung. Hauptsache, man hatte den gleichen Feind!

Darauf fielen sie alle herein, nicht nur der Klerus der deutschen Großindustrie, auch Lord Halifax und Chamberlain. In Éric Vuillards satirischer Erzählung über Hitlers dilettantische, aber nicht minder wirkungsvolle erste Schritte zur Konsolidierung seiner Macht fühlt man sich zuweilen an die prachtvollen Treppenläufe M.C. Eschers erinnert – Wege, die einen nirgendwohin bringen und den Marschierenden an der eigenen Nase herumführen. Bis die Herren in Deutschland und im Ausland es merkten, was Hitler im Schilde führte, waren sie schon vorgeführte Schildbürger und hatten zum Tod von Millionen von Menschen das ihre beigetragen.

Von geeister Melone und gekühltem Schampus ließen sie sich einlullen und folgten den Gesetzen der Etikette. Frechheit siegt, die Welt gehört dem Bluff – das ist auch heute in der Politik nicht anders. Als Bürgerin und Bürger wachsam zu sein und auf den gleichen, uralten Trick des gemeinsamen Feindes nicht schon wieder hereinzufallen, das mag die Botschaft dieser Erzählung sein, wenn man sie hier und heute liest. Vuillards kleines, feines Buch wurde mit dem Prix Goncourt, dem höchsten literarischen Preis in Frankreich ausgezeichnet.

Matthes & Seitz
Hardcover: 128 Seiten, ca. € 18,-
E-Book: ca. € 13,99
Hörbuch bei speak low: 1 MP3-CD, Laufzeit 177 Minuten, ca. € 18,-


DAS IST DRIN
Hitlers erste Schritte
Geschichte
unter der Lupe
geschrieben mit
gespitztem Bleistift
 
 
 

AUTOR/IN
Biographie