Jella Lepman
Die Kinderbuchbrücke
Herausgegeben von der Internationalen Jugendbibliotehk
unter Mitarbeit von Anna Becchi

Was bewegt eine jüdische Journalistin, in das Land zurückzukehren, vor dessen tödlichen Ideologien sie 1936 mit zwei Kindern fliehen musste? Die Antwort lautet: eine Vision, ein Herz, das für den Frieden, für die Verständigung der Nationen und nicht zuletzt für die Kinder schlägt. Jella Lepmans tagebuchähnliche Aufzeichnungen aus den Jahren 1945 bis 1957 tragen den Wunsch nach internationaler Völkerverständigung weit in die Welt hinaus. Ihre frische, unbefangene und spontane Stimme, ihr wacher Esprit machen dieses Buch zu einem aufbauenden, sehr schönen Leseerlebnis.

Kinderbücher als Friedensboten, als Gesandte der Nationen, das war die Idee, die Jella Lepman hatte, nachdem die Journalistin 1945 als »Beraterin für die kulturellen und erzieherischen Belange der Frauen und Kinder« nach Deutschland zurückgekehrt war. Diese Idee befeuerte alles, was sie danach in Bewegung setzte. Ihr erstes Projekt: eine internationale Ausstellung von Kinderbüchern aus der ganzen Welt, und das im Münchner Haus der Kunst, in »Hitlers Weißwursttempel«! Tatsächlich öffneten sich am 3. Juli 1946 dessen Türen für alle Neugierigen, und das waren nicht nur Kinder.
Die dort gezeigten Bücher hatte Lepman samt und sonders kostenlos erhalten, erbeten in Briefen, die sie in die weite Welt geschickt hatte. Die erste positive Antwort kam aus Frankreich. Belgien dagegen schickte zunächst eine Absage: »Zweimal sind wir von den Deutschen überfallen worden, wir bedauern, Ihnen eine Absage geben zu müssen.« Lepman sah keinen Grund, aufzugeben, schlussendlich erhielt sie auch aus Belgien eine großzügige Buchsendung. Fester Teil dieser Ausstellung waren neben den Büchern auch Kinderbilder und -zeichnungen. Hier konnten alle großen und kleinen Besucher mit Wort und Bild um die Welt reisen, und wie gern sie das taten! Diese erste internationale Veranstaltung im Nachkriegsdeutschland war ein großer Erfolg, auch in politischer Hinsicht.

Aus der temporären Ausstellung entwickelte Lepman das Konzept einer permanenten, im Jahr 1949 eröffnete sie eine Jugendbibliothek hinter der Staatsbibliothek, und diese fand ihre endgültige Heimat in der Münchner Blutenburg: die heutige Internationale Jugendbibliothek. Viele weitere Projekte weltweit sollten folgen, ein internationales Kuratorium für das Jugendbuch in der Schweiz, ein Bookmobil – die Phantasie dieser Frau hat alle Grenzen überwunden und ist auch heute, 50 Jahre nach ihrem Tod, in jeder Hinsicht beflügelnd.

Kunstmann
Halbleinen: 304 S., ca. € 25,-


DAS IST DRIN
eine einzigartige Frau
findet in der Nachkriegszeit
einen Weg zur
Völkerverständigung
durch Kinderbücher
 
 

AUTOR/IN
Biographie