Thomas Piketty
Kapital und Idoelogie
Aus dem Französischen von André Hansen, Enrico Heinemann, Stefan Lorenzer, Ursel Schäfer und Natsja S. Dresler

Im postcoronalen Zeitalter, darüber sind sich alle einig, wird vieles nicht mehr so sein wie zuvor. Deshalb ist es höchste Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, in welche Richtung Politik und Gesellschaft nach der Pandemie denken, welche Veränderungen bewusst angesteuert werden sollen.
Eine der Stimmen, die bei den Überlegungen nicht fehlen darf, ist die des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty; seine Erkenntnisse, die er in »Das Kapital im 21. Jahrhundert« und »Kapital und Ideologie« veröffentlicht hat, verlangen nach der Entsakralisierung des neoliberal-kapitalistischen Marktes.

Der Fortschritt der letzten Jahrhunderte, so Piketty, basiere auf dem Ringen um Gleichheit und Bildung. Zu dieser These gelangt der Ökonom aufgrund der Analyse historischer und aktueller Ungleichheitsgesellschaften wie der Ständegesellschaft im Mittelalter, Eigentumsgesellschaften bis zur Französischen Revolution, den folgenden Sklavenhalter und Kolonialgesellschaften und dem heutigen Hyperkapitalismus.
Pikettys aus Analyse und Conclusio folgenden Reformvorschläge sind die Umverteilung und Sozialdemokratisierung bestehender Reichtumsverhältnisse, z. B. durch Besteuerung rein privater milliardenschwerer Vermögen und Erbschaften mit 70 bis 80%. So bestünde die Chance, eine gesellschaftliche Ordnung zu etablieren, die auf einer gleichberechtigten Teilhabe an Wissen und Macht basiert.

Mehr als 1300 Seiten lesen sich nicht an einem Wochenende, erst recht nicht bei einem Werk wie diesem. Auch meine Lektüre werde ich in den nächsten Wochen und Monaten fortsetzen, sie ist noch nicht beendet. Das Gute an Thomas Pikettys Ausführen und Analysen aber ist, dass man die Kapitel und Absätze, z. B. über eurasische Entwicklungswege im Kolonialismus und über die »neo-proprietistische« Gesellschaft beginnend mit den 1970er-Jahren, einzeln und in Folge lesen kann, ohne den roten Faden zu verlieren.

C.H.Beck
Hardcover: 1.312 S., zahlr. Grafiken, ca. € 39,95


DAS IST DRIN
Geschichte und Zukunft
von Ungleichheitsregimen
herausragende Analyse
als Fundament von
Zukunftsvisionen