Friederike Hausmann
Lucrezia Borgia
Glanz und Gewalt
Eine Biografie

Als Lucrezia Borgia von ihrem Vater, Papst Alexander VI., 1493 zum ersten Mal verheiratet wird, ist sie 13 Jahre jung. Der Papst, seit einem knappen Jahr in Amt und Würden, hat mit dieser Hochzeit eine dringliche Schuld beglichen. In politischem Handeln und Intrigieren wird die Tochter, gebildet und von natürlicher Anmut, dem Papst noch mehr als einmal als Spielkarte und öfter auch als Trumpf dienen. Er bestimmt zur Konsolidierung seiner eigenen Macht vollkommen über ihr Leben, bis sie im Jahr 1502 anlässlich ihrer dritten Verehelichung mit Alfonso d’Este Rom in prachtvollem Hochzeitszug verlässt. Friederike Hausmann ist den Spuren, die Lucrezia Borgia in der Geschichtsschreibung hinterlassen hat, mit dem Gespür einer Kriminologin gefolgt und hat Staunenswertes aufgedeckt.

Wer Lucrezia Borgia aus der Oper Gaetano Donizettis kennt, dem ist sie Giftmischerin, Mörderin und noch Verwerflicheres: eine Frau, vor der es sich in Acht zu nehmen gilt. Neben diesem Klischee, das schon zu Lucrezias Lebzeiten mit immer neuen Gerüchten gefüttert wurde – und das bis heute äußerst medienwirksam ist – erzählen Quellen ihrer Zeit eine ganz andere Geschichte dieser Frau, deren Leben immer auch ein politisches war. Zunächst war sie Spielfigur im Rahmen der dynastischen Positionierung durch den Vater, dann erwies sie sich als Herzogin von Ferrara als versierte Diplomatin, Unternehmerin und Grundbesitzerin. Unzählige Fehlgeburten, an denen die Syphiliserkrankung ihres Mannes Alfonso nicht unschuldig war, die Geburten ihrer acht Kinder, selbst schwerwiegende Malariaerkrankungen hinderten sie nicht daran, ein erfolgreiches höfisches Leben zu führen: Sie verlieh Ferrara einen bis dahin ungekannten Glanz, indem sie die bekanntesten Literaten ihrer Zeit um sich scharte. Seite an Seite mit ihrer Schwägerin Isabella kämpfte sie gegen die Eroberung von Ferrara, plante und beaufsichtigte die Erweiterung von Ackerbau und Viehzucht durch Trockenlegung der Sumpfgebiete und erweiterte so den Grundbesitz des Hofes. Zeit ihres Lebens zog sie sich regelmäßig in ein Kloster zurück, beschützte und förderte auch andere religiöse Einrichtungen und trat dem Dritten Orden der Franziskaner bei.

Bei all dem darf man nicht vergessen, dass Lucrezia Borgia mit nur 39 Jahren starb. Das prallvolle Füllhorn ihres Lebens mit allen Anfechtungen, politischen wie persönlichen Siegen und Niederlagen war ein sehr besonderes. Friederike Hausmann breitet die unglaubliche Fülle dieses Frauenlebens vor uns aus. Ganz besonders wertvoll wird die hervorragend recherchierte Biografie durch die Bereitschaft der Autorin, Leerstellen in Lucrezia Borgias Leben als ungelüfteten Geheimnisse stehen zu lassen. Mehr zu Fragerichtungen und Vorgehensweise Friederike Hausmanns im aktuellen Interview auf der Überraschungsseite.

C.H.Beck
Hardcover: 320 Seiten, 9 Farbtafeln, 13 s/w-Abbildungen, Leinen, ca. € 24,95
E-Book: ca. € 19,99


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