François-Henry Désérable
Ein gewisser Monsieur Piekielny
Aus dem Französischen von Sabine Herting

Ein junger Mann, der sich als Autor dieses Buches ausgibt, strandet auf dem Weg von Frankreich nach Minsk in Vilnius. Nach einer Verkettung nicht gerade glücklicher Zufälle findet er sich im strömenden Regen vor dem einstigen Wohnhaus des Schriftstellers Romain Gary wieder. Und sofort kommt dem Erzähler dieser eine Satz über die Lippen: »In der Großen Pohulanka Nr. 16 in Vilnius lebte ein gewisser Herr Piekielny.«

Aus diesem erinnerten Satz wachsen auf der Stelle eine Vielzahl von Geschichten. Zum einen Geschichten über den Erzähler selbst: die seiner Abiturprüfung im Französischen, in der jener Roman »Frühes Versprechen« von Romain Gary, in dem dieser Satz steht, eine wichtige Rolle spielte; die seines Werdegangs als Schriftsteller und seiner literarischen Vorlieben, zu denen natürlich Romain Gary gehört. Zum anderen Geschichten über Romain Gary selbst, der seinem jüdischen Nachbarn, Herrn Piekielny im Alter von vielleicht zehn Jahren versprechen musste, diesen einen Satz zu sagen, sollte er in seinem späteren Leben großen Persönlichkeiten und bedeutenden Männern begegnen. So jedenfalls steht es in Garys Roman »Frühes Versprechen«.
Aber hat es ihn überhaupt gegeben, jenen Monsieur Piekielny? Désérable macht sich auf die Suche, recherchiert in Melderegistern, im Leben Garys, bei Google, seine eigene Imagination befragt er schließlich auch. Doch Monsieur Piekielny hüllt sich nur allzu gern in den Rauch seiner Pfeife und den Klang seiner Geige.

Désérable erfindet Szenen und Szenerien, die sich so abgespielt haben könnten, und dann wieder solche, die so niemals stattgefunden haben. Sie ranken sich um das Gerüst der historischen Fakten, die ihm zur Verfügung stehen. Auf das Unterhaltsamste führt er seine Leserinnen und Leser mit bestrickend romanhaftem Tonfall hinein in das Leben Romain Garys, in das Schicksal jenes jüdischen älteren Herrn Piekielny, ja aller Juden von Vilnius, und mitten hinein in das Zauberwerk der Literatur.
Dabei spricht aus jeder Seite dieses Buches eine große Lust am Fabulieren, am Übereinanderlegen von Bildern und Zeiten, am Erfinden von Geschichten, aus denen immerzu neue und wieder neue wachsen: ein sehr vergnügliches Vexierspiel zwischen Imagination und historischer Überlieferung, das in mehr als einer gelungenen Überraschung endet.

C.H.Beck
Hardcover, 256 Seiten, 11 s/w-Abbildungen, ca. € 22,-
E-Book: ca. € 17,99
Französische Originalausgaben Editions Gallimard: ca. € 9,99 bis € 20,99


DAS IST DRIN
eine großartige Hommage
an Romain Gary, Vilnius –
das Jerusalem von Litauen
und die Literatur