Simone Frieling
Rebellinnen
Hannah Arendt, Rosa Luxemburg und Simone Weil
blue notes 76

Sich äußeren Zwängen zu beugen, aufzugeben oder um der Bequemlichkeit willen halbherzige Kompromisse einzugehen, das wäre keiner von ihnen in den Sinn gekommen. Der Gebrauch ihrer geistigen Fähigkeiten zur Erkenntnis der Welt, der Wunsch, in das unheilvolle Weltgeschehen einzugreifen und etwas zum Guten zu bewegen – das waren ihre grundlegenden Lebensprinzipien. Simone Frieling zeichnet mit präzisen Strichen das Leben dieser Frauen nach und macht in der Reduktion auf das Wesentliche Lust, sich intensiver mit deren Gedankenwelten auseinanderzusetzen.

Jede von ihnen stammte aus einer assimilierten jüdischen Familie und wuchs mehrsprachig auf; der Wohlstand der Familien wurde selbstverständlich in die Bildung der Töchter investiert. So sehr sich die Ursprungsfamilien von Arendt, Luxemburg und Weil ähnelten, so verschieden gestalteten sich ihre Lebensläufe:

Rosa Luxemburg (1871-1919), die rebellischen Studentenkreisen angehörte, sich vehement gegen den Ersten Weltkrieg aussprach und für die Rechte der Arbeiter eintrat, ging für ihre politischen Schriften und Aktivitäten neunmal ins Gefängnis und wurde im Januar 1919 auf brutalste Weise gefoltert und ermordet. Aus ihren Briefen, die sie in jeder Lebenslage an Freunde und Freundinnen schrieb, spricht eine starke Frau, die ihre Kraft aus Literatur, Musik, vor allem aber aus der Beobachtung der Natur schöpfte.

Hannah Arendt (1906-1975), 1933 von der Gestapo verhaftet, 1940 in Gurs interniert, überlebte, weil ihr die Flucht über Marseille und Lissabon nach Amerika gelang. Erst 1951 erhielt die bis dahin Staatenlose die amerikanische Staatsbürgerschaft. Viele Feinde – auch in den Reihen vormaliger Freunde – machte sie sich mit »Eichmann in Jerusalem«, ihrer abschließenden Veröffentlichung zu Prozess und Verurteilung des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann. Da sie es sich nicht nur erlaubte, die »Banalität des Bösen«, sondern auch die Rolle der Judenräte in den Konzentrationslagern unter die Lupe zu nehmen, wurde Arendt vorgeworfen, die Grenze zwischen Opfern und Verfolgern zu verwischen.

Simone Weil (1909-1943) lieferte 1933 als 24-Jährige mit dem Aufsatz »La situation en Allemagne« eine erschreckend präzise Analyse der politischen Gegenwart und Zukunft Deutschlands. Sie arbeitete zeitweise in Fabriken, um in die Lebenswirklichkeit der Proletarier vorzudringen, träumte von der Befreiung Frankreichs durch eine Fallschirm-Mission und wählte, indem sie sich zu Tode hungerte, schließlich ihren Körper als Wirkungsort, nachdem die Welt der schwerkranken Prophetin nicht mehr zur Verfügung stand.

Sie alle kämpften vehement für Bildung, Freiheit des Geistes und Wohlergehen eines jeden Menschen. Frielings spannendes Buch über das weibliche Dreigestirn infiziert Leserinnen und Leser mit dem wachen, revolutionären Geist dieser mutigen Frauen.

ebersbach & simon
Hardcover: 144 Seiten, Halbleinen, ca. € 18,-


DAS IST DRIN
eine politische
Revolutionärin
eine scharfsichtige
Theoretikerin
eine religiöse
Sozialistin