Lucas Vogelsang
Heimaterde
Eine Weltreise durch Deutschland

Was genau bedeutet Heimat für uns? Ist Heimat »der Ort, der dir nicht egal ist«, »der Ort, an dem man sich wohlfühlt, an dem man sicher ist« oder »das Land, für das man im Fußball jubelt«? Lucas Vogelsang, Tagesspiegel-Reporter und Henri-Nannen-Preisträger, ist einmal quer durch Deutschland und bis nach Afrika gereist, um Menschen zu treffen, die dazu ganz besondere Geschichten erzählen können: elf überraschende Begegnungen.

Seit Jahrhunderten ist Deutschland immer wieder eine neue Heimat geworden für Menschen aus anderen Ländern und Kulturen. Sind heute Nationalität und Heimat zwingend miteinander verknüpft? Und noch weiter gefragt: Vertragen sich Toleranz und Nationalismus?
In Wedding, wo Lucas Vogelsang lebt, heißt Heimat Mahalle. Da ist auch Jerôme Boateng geboren, der in Brasilien 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister wurde. Vor 30 Jahren wäre diese Karriere nicht möglich gewesen. Vogelsang trifft in Inning am Ammersee zum Gespräch Jimmy Hartwig – nach Erwin Kostede zweiter farbiger Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Der in Offenbach geborene Deutsche, Sohn eines afroamerikanischen GIs und einer deutschen Mutter, erzählt in seinem »Äppelwoideutsch« , dass er damals nur zwei Länderspiele bestreiten durfte, dann war er seiner Hautfarbe wegen weg vom Fenster. Heute ist er ein gefeierter Schauspieler. Fußball, ein national geprägtes Thema, Politik ebenso: Die nächste Reise geht nach Spandau, wo Raed Saleh, Sohn eines palästinensischen Gastarbeiters und im Abgeordnetenhaus von Berlin seit 2011 Vorsitzender der SPD-Fraktion, großen Wert darauf legt, den direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern seines Viertels zu pflegen, in das er mit fünf Jahren eingewandert ist.
Wunderbar und extrem unterhaltsam ist auch die Geschichte der beiden Brüder Ericson Ecke und Kai Eikermann, beide in der DDR geboren, Söhne eines Vaters, einer schwarz, einer weiß. Einer in Ghana aufgewachsen (nicht der Schwarze), einer Steuerberater (nicht der Weiße). Spätestens bei dieser Reportage, in der die Brüder das Deutschsein zum Spiel machen, um Vorurteile auszuloten, wird auch dem allerletzten klar: die festgeschriebene Grenze zwischen Deutsch und Nichtdeutsch existiert nur an einem Ort: in unserem Kopf. Und Lucas Vogelsang gibt mit diesem Buch jedem die Chance, sie in ihrer Bedeutung zu relativieren.

aufbau
Hardcover: 330 Seiten, gebunden, ca. € 20,-
E-Book: ca. € 14,99


DAS IST DRIN
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