Dirigentenforum (Hg.)
Vom Dirigieren
Annäherungen an einen Mythos
Unter Mitarbeit von Susanne van Volxem und Sabine Bayerl

Erst der Dirigent macht aus einer korrekt vom Blatt gespielten oder gesungenen Partitur Musik. Er bündelt die Töne vieler hervorragender Musiker zu einer Stimme, die Charakter hat, das Werk neu interpretiert, die Zuschauer berührt. Von auf der Bühne vollbrachten Wundern, von Pultlöwen und weiblichen Chefs mit klingenden Händen erzählt dieser aus Anlass des 25-jährigen Bestehen des Dirigentenforums herausgegebene Band. Das Außergewöhnliche: der unverstellte Blick hinter die Kulissen und viele persönliche Begegnungen mit bekannten Musikern.

Unumstritten ist die Macht dessen, der an das Pult tritt und den Zauberstab hebt. Auch wenn es eine Frau ist – was nicht selten zu der Bemerkung »Oh man, it’s a girl« führt. Denn unter den Dirigenten ist der Prozentsatz der Frauen immer noch verschwindend gering. Und das liegt nicht an den Anforderungen, die an einen Studienanfänger gestellt werden. Denn die sind für Männer wie für Frauen gleich hoch, erschreckend hoch, denn das, was man schon können muss, wenn man sich bewirbt, entspricht mindestens dem, was man lernt, um ein hervorragender Dirigent zu werden. Wer sich da durchbeißt, hat nicht nur Interesse an der Musik – sondern vielleicht auch an der Macht, wie schon Canetti und Adorno eingehend untersucht haben. Karajan, Celibidache, Barenboim, sie alle haben den Mythos Maestro gestärkt, bei einigen könnte man fast schon sagen, verkörpert.
Die, die ihnen heute folgen und ebenso berühmt werden wollen, brauchen neben dem musikalischen Können auch noch gute Mentoren, engagierte Agenten und ein sorgfältig gewebtes Netzwerk. Von der Realität hinter der Bühne, von der Zusammenarbeit mit berühmten Dirigenten erzählen Solistinnen und Solisten wie Edda Moser, Christina Karg, Michael Volle oder Matthias Winckhler; von den Realitäten im heutigen Musikgeschäft Agentin Cornelia Schmid, Orchestermanager Siegwald Bütow oder Musikproduzent Michael Schetelich. Und das klingt in diesem Buch so, als würden sie mit allen Lesern und Leserinnen um einen Tisch sitzen und aus der Westentasche plaudern: sehr interessant – oft auch amüsant – und überaus unterhaltsam. Ein ganz besonderes Buch für Opern- und Konzertliebhaber.

Universitätsverlag Winter
Hardcover: 136 Seiten, 50 s/w- und 11 Farbabbildungen, € 19,-


DAS IST DRIN
Geschichte und
Geheimnisse des Dirigats
Musikerinnen und
Musiker erzählen
unterhaltsam und
abwechslungsreich