Stuart Christie
Meine Oma, General Franco und ich
Autobiografie
Aus dem Englischen übersetzt von Gabriele Haefs

2004 veröffentlichte Englands berühmtester Anarchist seine Autobiographie unter dem Titel »Granny made me an anarchist«. Spannend und in einem nüchternen, sehr aufrichtigen Ton geschrieben, machen Christies Erinnerungen bewusst, wie apolitisch Jugendliche heute in der Regel aufwachsen und in welche unpolitische Ecke die modernen Demokratien ihre Bürger mit verstärktem Konsum manövriert haben.

Christie wird 1946 in das Glasgower Proletariat geboren und wächst bei seiner Großmutter auf. Die alte Dame, politisch informiert und auf der Seite der Schwachen, konnte in Sachen Erziehung rigoros werden, zu Karbolseife greifen und ihrem Enkel den Mund damit auswaschen, damit er das Fluchen sein ließ. 1962 tritt Christie 16-jährig der Anarchist Federation in Glasgow bei. Am 10. August 1965 wird er in Madrid verhaftet – in seinem Rucksack: Sprengstoff, in seiner Jacke eingenäht: die Zünder. 1965 steht er mit 18 Jahren in Madrid vor Gericht, angeklagt wegen Terrorismus und Mordversuch an dem spanischen Diktator Franco. Er wird zu 20 Jahren »geringfügiger Haft« verurteilt. Auf massiven internationalen politischen Druck hin kommt Christie zwei Jahre später frei. Franco will mit der Begnadigung vor allem verhindern, dass der beginnende europäische Touristenstrom nach Südspanien abreißt.

Besonders aufschlussreich ist der dritte Teil der Autobiographie, in der Christie von seiner Londoner Zeit, den Jahren 1967 bis 1975, erzählt. 1971 steht er als vermeintliches Mitglied der Angry Brigade – diesmal in London – vor Gericht. Erschreckend, dass es heute niemanden mehr überrascht, in welchem Maß die Medien von der Regierung manipuliert wurden. Und dass die Geheimdienste der europäischen Länder auch damals schon bereit waren, für den Erhalt der Macht zu morden, zu vertuschen und Unschuldige für Jahre hinter Gitter zu bringen.

Edition Nautilus
Klappenbroschur: 416 Seiten, 54 schwarz/weiß-Fotos, ca. € 24,90

 
DAS IST DRIN
Autobiographie eines Anarchisten
beeindruckend, spannend, humorvoll
60er und 70er Jahre in Europa