Adriaan van Dis
Unter den Dächern aus Zink
Paris, ein ABéCédaire
Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas

Das Moos auf dem Kopf des Baudelaire-Standbildes wahrnehmen, den unterirdischen Palast der Toiletten an der Madeleine besuchen, die Bekanntschaft eines Clochards namens Monsieur Dubois machen: Wenn Adriaan van Dis Paris erkundet, nimmt er sich Zeit. Und das merkt man seiner bibliophilen Liebeserklärung an die Stadt unter den Dächern aus Zink auf wohltuende Weise an.

Wer nicht zum ersten und nicht zum zweiten Mal in Paris weilt, kann es sich erlauben, auf Abwege zu geraten, sein eigenes Paris zu erkunden. Genau das hat van Dis getan. Auf seinen Spaziergängen durch die Jahrhunderte, die Viertel und die Jahreszeiten begegnet man nicht nur Wilde, Proust, Hemingway und vielen anderen Bekannten, sondern auch den hungerstreikenden Afrikanern von Saint-Bernard de la Chapelle aus den Neunzigern, den Hitzeopfern des Sommers 2003 und den beiden Schwestern, die im Herbst 2003 die Kopftuchfrage auslösten. Historisches mischt sich mit Alltäglichem, Modernes mit Künstlerischem, das attraktive Paris darf bei van Dis auch die Seiten seiner Hoffnungslosigkeit zeigen, gut versteckt in den Banlieus der Metropole.

Der Autor bewegt sich in der Stadt nicht wie ein Einheimischer, aber auch nicht wie ein Fremder, und genau in dieser Spannung zwischen Vertrautheit und Distanz liegt der Reiz dieser liebevollen Annäherungen. Doch man sollte es sich gut überlegen, dieses Buch zur Hand zu nehmen, denn es nährt die Sehnsucht ...

Corso
Hardcover: 104 Seiten, zahlr. s/w-Fotografien, ca. € 19,90

 
DAS IST DRIN
 20 Reiseessays
Paris mon amour
stimmungsvolle s/w-Fotografien