Alix Ohlin
Robin und Lark
Roman
Aus dem Englischen von Judith Schwaab

Zwischen den Halbschwestern Robin und Lark liegen Welten: Was die eine tröstet, ängstigt die andere. Lark, die ältere, verantwortungsbewusste, fleißige und kluge, ist immer für Robin da, nicht nur, wenn die Mutter auf Reisen ist. Robin, die impulsive, wilde, entdeckt schon als Kind ihre außerordentliche Begabung als Pianistin. In Montreal in den 1970er-Jahren wachsen die beiden auf, fast immer auf sich allein gestellt. Als Lark mit einem Stipendium nach Worthen in die Nähe von Boston geht, bleibt Robin bei der Mutter zurück, bis sie eines Tages vor Larks Tür steht.

Lark hat ihre Schwester in Worthen nicht vermisst, keinen Tag, keine Stunde. Fasziniert von der Kunst des Dokumentarfilms, arbeitet sie sich in die Geschichte dieses Genres ein und verliebt sich. Als Robin dann auf der Treppe vor ihrer WG sitzt, einen zerschlissenen braunen Koffer neben sich, ist es für Lark selbstverständlich, dass die Schwester jetzt bei ihr wohnen wird. Erst Wochen später erfährt sie, warum Robin aus Montreal geflohen ist. So unvermittelt, wie die Schwestern das gemeinsame Leben wieder aufnehmen, so abrupt endet es, als Robin auf ihrer ersten Tournee als Pianistin durch Skandinavien verschwindet. Und erst fünf Jahre später wieder auftaucht.

Über die ganze Zeitspanne hinweg, 40 Jahre, die bei der Lektüre wie im Flug vergehen, bleiben die Schwestern, die viele freiwillige und unfreiwillige Verwandlungen durchleben, durch ein unsichtbares Band miteinander verbunden, ihre Welten aber berühren sich kaum. Ohlin gelingt es wunderbar, diesen Spannungsbogen aus Nähe und Distanz im Hintergrund des Geschehens zu halten. Der ruhige Erzählton bildet einen feinen Kontrast zu der knisternden untergründigen Spannung: ein beeindruckend dichter Roman.

C.H.Beck
Hardcover, 336 S., ca. € 23,-


DAS IST DRIN
Zwei Schwestern
auf der Suche
nach dem eigenen Leben