Ingvar Ambjørnsen
Echo eines Freundes
Ein Elling-Roman
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs

Elling, Norwegens Nationalheld der Wende zum 21. Jahrhundert, der von Petter Naes auf die Leinwand gebracht 2002 fast den Oskar des besten ausländischen Films gewann, Norwegens Elling ist zurück. Wenn auch um etliche Jahre gealtert, aber immer noch so kauzig wie vor fast 20 Jahren. Mit 58 Jahren steht er zum ersten Mal auf eigenen Füßen und schlägt sich alternd im Alltag auch nicht schlechter als viele von uns, in dieser Gesellschaft.

Dem betreuten Wohnen ist Elling entkommen, er zieht Mitte September bei einer Witwe in eine Sockelwohnung im Osloer Stadtteil Grefsen ein. Das Schlafzimmer hat keine Fenster, im Bad kämpft Elling mit dem Schimmel, im Garten mit einer übergriffigen Nachbarin, auf der Straße mit Selbstzweifeln. Soll er sich heute im Spar bei Kasse 1 oder Kasse 2 anstellen? Bei der üppigen Rothaarigen oder der leicht übertrieben Geschminkten mit den rabenschwarzen Locken? Um ein wenig mehr Kontakte in der Welt da draußen zu haben, richtet sich Elling ein facebook-Profil ein, ein bisschen gefakt versteht sich, unter dem Namen Chris Brenna und mit dem Foto eines Gastes aus Ellings Lieblingskneipe, dem Café Schwan. Dabei stellt sich im Lauf des Romans heraus, dass Elling das gar nicht nötig gehabt hätte, zählte doch der Dichter Alfons Jørgensen zu seinen Freunden. Aber der ist genauso tot wie sein anderer Freund Kjell Bjarne: Elling ist also doch einsam. Trotz der einmal im Monat bei seiner Vermieterin stattfindenden sonntäglichen Mittagessen, trotz der regelmäßigen Besuche beim Arzt.

Was Ambjørnsen hier zu Literatur macht, ist der ganz normale Wahnsinnn des Alterns, das mehrfache Prüfen der Kochplatten vor dem Verlassen der Wohnung, die Selbstgespräche, die – zugegeben – bei Elling vielleicht noch eine Spur krasser ausfallen, das stille „Warten auf etwas, von dem wir nichts wissen.“ Dieser Roman ist eine Berg- und Talbahn durch Tage und Nächte eines unablässig Sinnierenden, gewürzt mit Melancholie, Sarkasmus, leisen Wahrheiten und der Demaskierung eigener Überheblichkeiten: herrlich kurios!

Edition Nautilus
Hardcover: 320 Seiten, ca. € 24,-


DAS IST DRIN
Elling lebt,
denkt nach
und will sich im
Alter neu erfinden