Jon McGregor
Speicher 13
Roman
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger

Ein dreizehnjähriges Mädchen verschwindet kurz vor Sylvester spurlos. Und das nicht in einer Großstadt, sondern in einem kleinen Dorf in Mittelengland. Die Moorlandschaft rund um das Dorf wird abgesucht, alle Speicherseen durchtaucht, Rebecca Shaw bleibt verschwunden. Hoffnung und Realität geraten in diesem Roman in einen unauflösbaren Konflikt, dem keiner – nicht die Familie, nicht die Dorfbewohner und auch Leserinnen und Leser nicht entfliehen können.

Die Jugendlichen, mit denen Rebecca schon bei ihrem letzten Aufenthalt im Sommer abgehangen hatte, nannten sie Bex. Zwei Jungs rangelten damals schon um Bex‘ Aufmerksamkeit. Einer von ihnen, James Brood, wird seinen Eltern zwei Jahre nach Bex‘ Verschwinden erzählen, dass er an dem Tag, an dem sie nicht wieder auftauchte, mit ihr verabredet war. Aber Bex kam nicht. Wirklich nicht? Keinem der Dorfbewohner, nicht dem kauzigen Jones, Hausmeister der Schule, nicht Will Jackson, dem Schafzüchter, der jedem kurzen Rock hinterherläuft, traut man mehr, wenn sie den Mund aufmachen. Jeder Satz wird auf Bex‘ Verschwinden bezogen, so muss es in den ersten Monaten im Dorf wohl auch gewesen sein. Doch langsam, ganz langsam gewinnt der Alltag wieder Oberhand, in der Natur nimmt alles unbeirrbar seinen Lauf, die Schicksale der Menschen im Dorf schieben sich wieder in den Vordergrund. Die Hinweise auf Bex‘ Verschwinden werden seltener, flackern hier und da auf, aber sie werden vom Alltagsleben der Dorfbewohner schnell wieder überdeckt.

Jon McGregor hat einen ganz eigenen Tonfall für diesen Roman gewählt, nüchtern könnte man die parataktische Satzketten nennen. Doch durch das Nebeneinander von verzweifelter Suche, von Alltäglichkeiten, Vergangenem und von Naturbeobachtungen stehen Anspannung und Entspannung so dicht nebeneinander, dass man sich unmöglich für das eine oder andere entscheiden kann. Das Rad der Zeit, das sich in den ersten Tagen schnell und immer schneller dreht, verlangsamt im ersten Jahr sein Tempo, um dann wieder anzuziehen, zwei, fünf, zehn Jahre vergehen und es ist, als ob man das Sirren des Zeitrades hören könnte. Die Bauweise dieses Romans ist so einfach wie genial, eine großartige Lektüre! Und am Ende hat das Leben gewonnen.

Liebeskind
Hardcover: 352 Seiten, ca. € 22,-
E-Book: ca. € 16,99
Englischsprachige Originalausgaben: ca. € 6,99 bis ca. € 91,95


DAS IST DRIN
die lange Suche
nach einem
vermissten Mädchen
spannend, außergewöhnlich,
mehrfach ausgezeichnet
 
 
 

AUTOR/IN
Biographie