Stephen Crane
Das offene Boot und andere Erzählungen
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt und herausgegeben von Lucien Deprijk

Stephen Crane war ein Rastloser, ein Abenteurer, ein Vagabund. Er hat geahnt, dass ihm nur wenig Zeit zu leben und zu schreiben gegeben sein würde: Der Reporter und Schriftsteller, den Hemingway zu seinem Vorbild erkor, starb im Juni 1900 mit nur 28 Jahren an Tuberkulose.

Seine Sprache ist eine an dem Genre der Reportage geschulte: knapp, sachlich, auf den Punkt gebracht, kein Wort zuviel, aber jedes dieser Worte sollte »die Arbeit von sechsen« machen. Die Bilder, die er damit erzeugt, sind Nahaufnahmen, gestochen scharf und aus einem ungewohnten Blickwinkel beobachtet, nüchtern, modern.
Die Menschen seiner Reportagen und seiner Erzählungen sind die Unterprivilegierten, die Gescheiterten, die, über die keiner spricht, jedenfalls nicht in den besseren Kreisen des späten 19. Jahrhunderts. Da ist der dreckige Straßenjunge, der in der fremden Stadt mit neugierigem Blick umherstreift und von Kindermädchen verjagt wird, als er mit den in feinen Wägen geschobenen Kleinkindern Blickkontakt aufnimmt. Das Ehepaar, das in einer Auktion alles verliert und von dem eigenen Papagei auch noch zum Gespött der Leute gemacht wird. Das Kind, das auf dem elterlichen Hof vergessen sich auf den Hügel vor dem Haus setzt und weint im Anblick des Krieges, der überall um es herum auf der griechischen Insel tobt.
In der Geschichte, nach der dieser Band benannt ist, sitzen vier Männer in einem drei Meter langen Rettungsboot. Als letzte haben sie den untergehenden Dampfer Commodore verlassen. Es ist kalt, die Wellen gnadenlos, der Kapitän verletzt. Die Männer kämpfen um ihr Leben, sie müssen dabei zusehen, wie sieben Seeleute in einem der anderen Boote in der gezackten, schiefergrauen See ertrinken.

Stephen Crane ist einer dieser Männer im Boot, als Korrespondent im Auftrag des Zeitungssyndikats von Irving Bacheller unterwegs mit der Commodore. Viele seiner Erzählungen sind Kondensate eigener Erlebnisse. Der Zeit weit voraus blieb er zu Schaffenszeiten ohne den verdienten Erfolg. Unter Schriftstellern und Künstlern jedoch war er nie vergessen.

mare
Hardcover: 240 Seiten, Leinen im Schuber, ca. € 26,-
Englischsprachige Ausgaben (e-Book, Taschenbuch) von ca. € 0,72 bis ca.€ 26,95


DAS IST DRIN
viele Erzählungen
erstmals auf Deutsch
klar konturierte
Milieuaufnahmen
Vorbild Hemingways
und Geheimtipp
 
 
 

AUTOR/IN
Biographie