Bret Anthony Johnston
Justins Heimkehr
Roman
Aus dem Englischen von Sylvia Spatz

Justin ist zwölf, als er entführt wird. Vier Jahre später macht ihn die Polizei ausfindig und er kehrt zu seiner Familie zurück. Doch für die Campbells ist die Zeit extremer Anspannung nicht vorbei. Wer ist der Junge, der nach diesen vier Jahren zu ihnen kommt? Wie wird er, wie werden sie alle mit der Nachricht umgehen, dass der Entführer auf »nicht schuldig« plädieren wird?

Keiner in Southport hat mehr damit gerechnet. Vielleicht auch Justins Familie nicht, obwohl Laura und Eric Campbell und der zwei Jahre jüngere Bruder Griff die Hoffnung nie aufgegeben haben. Aber vier Jahre sind eine lange Zeit, und die Hoffnung ist ein fernes Land, das man nicht miteinander teilen kann.
Laura lenkt sich mit der ehrenamtlichen Tätigkeit im Sea Lab ab, Eric hat schon seit einer Weile eine Affäre und Griff – Griff ist dabei sich zu verlieben, als die Eltern zum Deputy nach Corpus gerufen werden. Diese Szene, als der Deputy den Eltern erzählt, wie ihr Sohn gefunden wurde, ist prototypisch für viele weitere Szenen, die Johnston mit feinstem psychologischem Fingerspitzengefühl und in perfekt angelegter Dramaturgie erzählt. Auf einem Flohmarkt habe man ihn ausfindig gemacht, er sei von einer Frau, die dort einen Stand hat, erkannt worden, lässt der Deputy die Eltern wissen. Und dann ist Warten angesagt. Warten bis der Junge medizinisch untersucht worden ist. Er sei in Begleitung eines erwachsenen Mannes gewesen, erfahren die Eltern noch, dann plaudert der Deputy über das Wetter, um die Zeit totzuschlagen. »Was hat sie verkauft?«, fragt Laura den Deputy mitten hinein in seine Wetterprognosen. Sie fragt nach der Frau, die Justin erkannt haben will. »Auf dem Flohmarkt, Sie haben gesagt, eine Verkäuferin habe ihn erkannt.« »Ja, eine Frau, die Nager verkauft, Hamster und Wüstenmäuse. Er hat Mäuse für seine Schlange gekauft.« Und dann explodiert die Szene. Der Junge könne nicht ihr Sohn sein, denn er habe Angst vor Schlangen. Und während Laura den Deputy lauthals beschimpft, er habe keine Ahnung, was es jedes Mal für sie bedeute, wenn sie hier mit großer Hoffnung einbestellt würden, nur um festzustellen, dass es wieder umsonst gewesen sei, öffnet sich die Tür und hinter dem Staatsanwalt Solomon Garcia kommt der Junge herein, ihr Junge. Justin. Aber sicher nicht der Justin, den sie kannten. Nicht der Justin, der Angst vor Schlangen hatte.

Was haben die vier Jahre aus ihm gemacht? Umgekehrt fragt sich Justin, was seine Eltern eigentlich unternommen haben, um ihn zu finden, all die Jahre. Warum es so leicht war für den Entführer, ihn festzuhalten – nur mit der Drohung, seiner Familie etwas anzutun. Immer wieder neue emotionale Bomben implodieren in diesem Roman, in dem Johnston seinen Spannungsbogen dort beginnen lässt, wo in anderen Romanen erleichtert aufgeatmet wird. Ein echter Psychothriller.

C.H.Beck
Hardcover: 424 Seiten, ca. € 21,95
E-Book: ca. € 17,99
Englischsprachige Originalausgaben: von ca. € 9,99 bis € 23,12


DAS IST DRIN
Ein Familienthriller
meisterhaft erzählt
unglaublich spannend